Osteopathie, Craniosacral Therapie & Naturheilkunde 

Therapiezentrum Bleiche

Was bedeutet Ernährung? 

 Warum müssen wir eigentlich essen?

So einfach diese Frage auch erscheint, so komplex ist heutzutage die Antwort.
Wir  essen um zu leben, das heisst wir nehmen durch Lebensmittel die nötigen  Nährstoffe zu uns, um unseren Organismus am leben zu halten und ihn vor  Krankheiten zu schützen.
Wäre das die ganze Wahrheit gäbe es wahrscheinlich nichts langweiligeres.

 

Oder leben wir um zu essen?

Essen  hat natürlich auch viele soziale und gesellschaftliche Funktionen, die  meistens in der Beratung nicht oder nur sehr wenig beachtet werden.
Wir bewegen uns somit in einem Spannungsfeld zwischen reiner Nährstoffzufuhr, Genuss und notwendigem Übel.

 

Was genau ist eigentlich eine Kalorie ?

Eine  Kalorie ist eigentlich nichts anderes als eine Masseinheit für Energie,  also so etwas wie Benzin für‘s Auto. Im wissenschaftlichen Sinn redet  man von Kilokalorien (kcal), das bedeutet ein Lebensmittel mit 100  Kalorien hat in Wirklichkeit 100000 Kalorien. Allerdings hat sich im  Volksmund der Begriff Kalorien durchgesetzt und auch die neue  Masseinheit Joule wird seltener verwandt und aus diesem Grund benutze  ich hier auch den Begriff Kalorie.

 

Im Prinzip ist die Sache ganz einfach:

Man  verbraucht pro Tag x Kalorien durch Arbeit, Sport, etc. und muss diese  Kalorien durch Nahrung einfach wieder zuführen. Hier funktioniert der  Vergleich mit dem Auto noch; will man 100 km weit fahren, benötigt man  (je nach Auto) ca. 8 Liter Benzin. Will man etwas weiter fahren, muss  man einfach mehr tanken.

Beim Menschen heisst mehr tanken, mehr Energie in Form von Kalorien aufzunehmen.
Allerdings  ist wie beim Auto auch die Art der Kalorien, bzw. die Art des Benzins  (Diesel, Bleifrei 95/98...) entscheidend, wie gut die  Energiebereitstellung des Körpers funktioniert.
Die falschen Kalorien können ebenfalls wie beim Auto, auf lange Sicht gesehen auch Schäden verursachen.

 

Definition:

Eine Kilokalorie (kcal) ist die Energiemenge, die notwendig ist, um einen Liter Wasser von 14.5°C auf 15.5°C zu erwärmen.
Die  einzigen Nährstoffe, die Energie liefern sind die Kohlenhydrate, die  Fette und die Eiweisse und wenn man‘s ganz genau nimmt liefert auch  Alkohol eine gewisse Menge Energie, wobei das nicht bedeutet, dass man  mit 2 Gläsern Rotwein besser Fussball spielt oder arbeitet, geschweige  denn Auto fährt.
Die  physiologischen Brennwerte dieser Grundnährstoffe geben an wie viel  Energie aus den entsprechenden Mengen des Nährstoffs gebildet werden  kann:

1g Kohlenhydrate    =    4.1 kcal

1g Fett                     =    9.3 kcal

1g Eiweiss               =    4.1 kcal

(1g Alkohol              =    7.1 kcal)

 

Zum Vergleich:

1  Kalorie hat das gleiche Energiepotential wie  4.1868 Joule  oder   1.163x10hoch-6 Kilowattstunden oder umgekehrt hat 1 PS das  Energiepotential von ca. 632529 Kalorien, bzw. 632.5 kcal.
Das  sind natürlich alles nur Rechenspielereien, die in unserem richtigen  Leben keinerlei Bedeutung haben. Sie sollen nur verdeutlichen, dass wir  im Falle von Kalorien wirklich nur von einer Masseinheit in Bezug auf  Energie sprechen und der Zusammenhang zwischen der ,bösen‘ Kalorie und  unserem Körperbau zwar wichtig ist, aber nicht auf das reduziert werden  kann und darf.

 

Gewohnheiten – macht uns Essen gesund oder krank ?

Vielleicht ist ihnen schon mal selbst aufgefallen, dass wir immer die gleichen Lebensmittel kaufen, dass wir immerzu ähnliche Gerichte kochen, dass unser Frühstück auch immer gleich aussieht. Variation ist oft ein Fremdwort in vielen Küchen. Warum ist das so und spielt das für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden eine Rolle?
Wir sind natürlich Opfer unserer eigenen Gewohnheiten, das liegt in der Natur des Menschen und das hat auch einen gewissen Sinn, da wir uns in Gewohntem sicher fühlen und uns nicht mit neuen Problemen konfrontieren müssen.

Das ist nicht nur in der Ernährung so, sondern wir machen diese Entdeckung auch in anderen Lebensbereichen, wie z.B. Alltagsablauf, verbale Floskeln, Ferien, usw....

Beim Thema Ernährungsgewohnheiten wird man sich gezwungenermassen mit der Pädagogik und der Psychologie auseinandersetzen müssen.
Wie wird Essverhalten geprägt, also wie entstehen überhaupt Ernährungsgewohnheiten ? und wie kann Essverhalten verändert werden ? Der wahrscheinlich zentralste Punkt in der Ernährungsberatung !
Dazu müssen wir uns zurück erinnern an unsere Baby- und Säuglingszeit. In dieser Zeit beginnt der Lernprozess für Nahrungsaufnahme.
Während Babys noch keine Ernährungsgewohnheiten haben, sozusagen ein unbeschriebenes Blatt sind, und nur die so genannten Primärbedürfnisse Hunger und Durst haben, fängt im Säuglingsalter das bewusste Wahrnehmen von Hunger und Sättigung an. Das Kind verfügt noch über ein völlig intaktes Körpergefühl von Hunger und Sättigung.

Bereits in dieser frühen Mutter-Kind-Phase kann der Grundstein für Essstörungen gelegt werden ! Durch das Abhängigkeitsverhältnis des Kindes zur Mutter wird essen sehr eng mit Zuwendung verknüpft. So führt das blosse ,abspeisen‘ durch Erwachsene dazu, dass das Kind negative Gefühle mit der Nahrungsaufnahme verbindet und es später nicht zwischen Hungergefühl und ,anderen‘ negativen Gefühlen unterscheiden kann.
Das daraus resultierende psychologische Problem ist, dass negative Gefühle mit Hunger interpretiert werden und das ansonsten zuverlässige Körpergefühl Hunger und vor allem Sättigung verloren geht.
Das heisst es werden während diesem Lernprozess sekundäre Bedürfnisse entwickelt, die oft das ganze Leben lang beibehalten werden wie z.B. essen wegen Traurigkeit, Sorgen oder Angst...
Ernährungsgewohnheiten entstehen auch oder besonders durch mehrmaliges ,Ess-Training‘ in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule und sind im Laufe der Zeit sehr tief in uns verwurzelt und das darf bei einer gewünschten Ernährungsumstellung nie vergessen werden.

Man muss sich einmal diese kleine Rechnung vor Augen führen, in der ersichtlich wird, wie wir diese Wurzeln aufbauen:  

ein 40-jähriger Mensch hat in seinem Leben ca 58400 ,Esserfahrungen‘ gemacht
(40 Jahre x 4 Mahlzeiten täglich x 365 Tage) demgegenüber würde nach einer 3-monatigen Ernährungsumstellung nur 360 ,neue Esserfahrungen‘ stehen (90 Tage x 4 Mahlzeiten)

Es benötigt also nicht sehr viel um wieder in ein altes Essmuster zurück zu fallen. Schlechte Noten, Trennung, Ärger, Stress, etc. reichen schon aus um die neuen Erfahrungen zu löschen.
Das ist auch der wichtigste Grund warum gesundes Essen schmecken sollte.
Früher wurde Essverhalten hauptsächlich familiär weitergegeben, man lernte die verschiedenen Lebensmittel kennen, man lernte (meist von der Mutter) wie man sie zubereitet und man lernte wie man isst (gemeinsam und ohne Hektik).
Heute ist unser grösster Gegner für diesen Lernprozess die Werbung und die unzähligen, märchenhaften Behauptungen wie z.B. Rotwein ist gut für‘s Herz oder eine richtige Mahlzeit beinhaltet Fleisch.

Um es nochmals zu verdeutlichen, wir können unsere Ernährung nur dann verbessern, wenn wir uns Gedanken über unsere bisherigen Gewohnheiten machen und versuchen zu verstehen warum wir sie denn überhaupt bekommen haben.
In unserer Überflussgesellschaft zeigen sich 4 verschiedene Tendenzen, die unsere Beziehung zum Essen und zur Ernährung verdeutlichen. Sie zeigen sowohl eine Neutralisierung bzw. psychische Entfremdung für das einzelne Lebensmittel als auch für den Bereich ,Essen‘.

  1. Verlust der Wertschätzung (keine existentielle Erfahrung von Hunger)
  2. Verlust der Lebensmittelidentität (wir kaufen LM genauso emotionslos wie Waschmittel oder Druckertinte)
  3. Verlust der Ursprungsbeziehung zur Herkunft (regionale LM, wir wissen zum Teil nicht mehr wo die LM herstammen)
  4. Verlust der emotionalen Beziehung (Familientraditionen gehen verloren, Kantinenessen, wir können sogar im Ausland unsere heimischen Essgewohnheiten pflegen)

Wir haben keine gefühlsmässige Beziehung mehr zum Essen. Man muss ja seiner Mahlzeit nicht gleich einen Heiratsantrag machen, aber vielleicht hilft der Gedanke, dass jede einzelne von unseren 100 Billionen (100 000 000 000 000) Zellen das Resultat unserer Ernährung sind, natürlich in Kombination mit Sauerstoff und Sonnenlicht.

Ja, es stimmt tatsächlich: der Mensch ist, was er isst ...allerdings ist er auch was er nicht isst!