Osteopathie, Craniosacral Therapie & Naturheilkunde 

Therapiezentrum Bleiche

Phytotherapie


 1. Deffinition

Bei der Phytotherapie (griechisch: Phyto = Pflanze, pflanzlich) handelt es sich um eine Therapie mit Heilpflanzen bei körperlichen oder seelischen Beschwerden. Die Pflanzenheilkunde ist ein wichtiger Bestandteil aller traditionellen medizinischen Anwendungen.

Die Phytotherapie ist eine der ältesten Heilmethoden überhaupt. Ihre Geschichte reicht bis in die Steinzeit zurück. Die klassische Phytotherapie wird manchmal auch als Klostermedizin bezeichnet, da im Mittelalter die Klöster pflanzenheilkundliches Wissen über Generationen weitergegeben haben. Eine alte, noch heute lebendige Tradition hat die Phytotherapie in der traditionellen chinesischen und ayurvedischen Medizin. Im europäischen Raum war es Hippokrates, der eine grosse Anzahl von Heilpflanzen kannte und beschrieb. Weitere Pioniere der historischen Pflanzenheilkunde sind unter anderen Hildegard von Bingen (um 1100) oder Paracelsus (1493–1541). Die westliche Phytotherapie entwickelte sich im Laufe der vergangenen Jahre zu einer wissenschaftlich fundierten Medizinrichtung, die von Ärzten genauso wie von Phytotherapeuten und Drogisten eingesetzt wird.


2. Philosophie

Alle Pflanzen produzieren verschiedenste (Wirk-)Stoffe in unterschiedlicher Zahl. Diese finden sich von den Wurzeln bis zu den Blüten in allen Teilen der Pflanze. Haben diese Substanzen einzeln oder in Kombination mit anderen Stoffen eine Heilwirkung auf den Menschen, so spricht man in der Fachsprache von Wirkstoffen und Wirkstoffgruppen.

Phytotherapeuten gehen davon aus, dass Wirkstoffe, die sich natürlicherweise ergänzend, eine Gesamtwirkung erzielen, die den Heilungsprozess stärker begünstigt als die Anwendung von Einzelwirkstoffen. Um eine bestimmte Mindestqualität und -konzentration zu garantieren, werden Heilpflanzen für den Handel häufig in kontrollierter Umgebung unter immer gleichen Bedingungen angebaut. Die als Heilmittel verwendeten Pflanzenteile heissen Drogen oder Teedrogen. Die Palette reicht von milden Mitteln wie Pfefferminze oder Kamille bis zu stark wirkenden, zum Teil giftigen Heilpflanzen, die nur nach Absprache mit einer medizinischen Fachperson eingenommen werden dürfen.

Die Phytotherapie arbeitet unter anderem mit industriell hergestellten (vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic geprüften) Fertigarzneimitteln – den sogenannten Phytopharmaka. Um diese herzustellen, werden die Heilpflanzen-Wirkstoffe je nach Verfahren durch Einlegen in Wasser, Alkohol oder anderen Lösungsmitteln extrahiert, teilweise konzentriert, getrocknet oder anderweitig verarbeitet.


3. Plausibilität des Konzepts

Phytotherapie ist eine wissenschaftlich fundierte Medizinrichtung. Der Hersteller muss mit wissenschaftlichen Studien nachweisen können, ob und wie ein Phytopharmakon wirkt, damit es vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic zugelassen wird. Die meisten Phytopharmaka sind frei verkäuflich und können ohne ärztliche Verschreibung gekauft werden. Nur Pflanzen mit stark wirkenden Inhaltsstoffen, bei denen die Grenze zwischen heilsamer und schädlicher Dosis schmal ist, sind rezeptpflichtig.


4. Belege für die Wirksamkeit

Vor allem wenn Sie selten Medikamente einnehmen sind die Erfolgsaussichten der Phytotherapie erfreulich. Für viele häufig genutzte Heilpflanzen ist die therapeutische Wirksamkeit sehr gut belegt. Da es zig Tausende von Pflanzen weltweit gibt, liegen für die weitaus grösste Zahl der Pflanzen bisher keine wissenschaftlichen Studien vor. Für einige spezielle pflanzliche Mittel gibt es nur wenige oder widersprüchliche Hinweise zur Wirksamkeit.

Von 165 Arzneipflanzen gibt es sogenannte Pflanzenmonografien der Europäischen Arzneimittelagentur EMA (European Medicines Agency). Das heisst: Deren Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt. Beispiele solcher Pflanzen sind:

Johanniskraut (bei Verstimmungszuständen)

Weissdornblätter mit Blüten (bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzens)

Ginkgo (bei nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit) 

Traubensilberkerze (bei Wechseljahrbeschwerden)

Mönchspfeffer (bei prämenstruellen Beschwerden)

Mariendistelfrüchte (bei toxischen und chronisch entzündeten Lebererkrankungen)

Sennesblätter und -früchte (bei Verstopfung)

Sägepalmefrüchte (bei Beschwerden beim Wasserlassen)


 Ein wichtiger Punkt für die Wirksamkeit ist die Qualitätssicherung: Phytopharmaka sollten möglichst standardisiert sein. Das heisst, sie müssen von ihrem Hauptwirkstoff eine garantierte Menge enthalten. Offizielle Verkaufsstellen wie Drogerien garantieren eine solche Standardisierung mit verlässlicher Qualität. Der Kauf von Phytopharmaka im Internet ist wegen der fehlenden Qualitätsgarantie nicht zu empfehlen.


5. Grenzen und Risiken

Mit Phytotherapie lassen sich viele Beschwerden gut behandeln. Auch zur Vorbeugung von Krankheiten ist die Pflanzenheilkunde geeignet. Leichte Beschwerden können unter Umständen allein mit pflanzlichen Heilmitteln behandelt werden, beispielsweise:

Erkältungen: Inhalation oder Einreiben mit ätherischen Ölen, Trinken von Medizinaltees 

Nervosität: Baldrian, Hopfenzapfen

Kleine Wunden und Prellungen: Arnika

Verstopfung: Feigensirup

Hautprobleme: Eichenrinde

Sicherheitshinweis: Bei schweren oder chronischen Erkrankungen sollte man Pflanzenheilmittel erst nach Abklärung durch eine medizinische Fachperson (Drogist, Apotheker, Hausarzt) anwenden. Pflanzliche Arzneien enthalten natürliche Wirkstoffe und können genau wie chemisch-pharmazeutische Präparate Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hervorrufen. Mixen Sie auf keinen Fall wahllos natürliche Heilmittel. In Kombination können Nebenwirkungen eintreten. Dosieren Sie nicht nach dem Motto «viel hilft viel» – gehen Sie auch mit pflanzlichen Naturheilmitteln sparsam um. Lassen Sie die Hände weg von dubiosen Internetangeboten. Oft werden Mixturen minderwertiger Qualität verkauft. Falls Sie Allergien gegen bestimmte Pflanzen haben, sollten Sie diese meiden. Auch in der Schwangerschaft ist erhöhte Vorsicht geboten.